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Nebenwirkungen Rituximab
Reihenfolge 

Verfasst am: 05.04.2022, 15:52
Dabei seit: 10.03.2021
Beiträge: 8

Hallo zusammen,
ich bekomme auch Rituximab (seit über einem Jahr) und vertrage es gut! Ich bin sehr froh über das Medikament. Ich habe immer sehr viel Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus, aber das was ich hier lese ermutigt mich etwas. Heisst das, dass auch Personen mit Rituximab nicht immer einen schweren Verlauf haben müssen? Bei mir hat leider keine einzige Impfung Antikörper gebildet, im Falle einer Infektion würde ich die Antikörper wahrscheinlich zugeführt bekommen


Verfasst am: 07.03.2022, 21:00
Dabei seit: 10.02.2016
Beiträge: 344

Das sind schwierige Fragen, und ich fange bei der einfachsten an: Die B-Zellen bleiben nach der Rituximab-Gabe in der Regel etwa ein halbes Jahr verschwunden und kommen dann langsam wieder. Wie shcnell das geht, ist zum Teil von der Erkrankung abhängig.

Interessanter Weise braucht das erwachsene Immunsystem B-Zellen für die meisten seiner Aufgaben nicht. Die Antikörper, die insbesondere vor Virusinfektionen schützen, werden von (langlebigen) Plasmazellen gemacht - und diese haben kein CD20 an ihrer Oberfläche und werden daher von Rituximab nicht erkannt.

Daher ist die Abwehr der meisten Virusinfektionen kein Problem. Nur dann, wenn das Immunsystem Antikörper gegen ein neuartiges Virus machen soll, wird das schwierig. Dann fehlen nämlich die B-Zellen, die zu den neuen Plasmazellen werden könnten. Deshalb funktionieren neue Impfungen nicht gut.

Auch bei COVID-19 waren die Patienten nach Rituximab aber nicht wehrlos. Die meisten haben die Infektion trotzdem gut überstanden. Und die Abwehr von Bakterien und Pilzen funktioniert in der Regel auch ohne B-Zellen problemlos.

Das heißt, es gibt eine klar definierte Schwäche im Immunsystem, aber es ist nicht als Ganzes heruntergefahren.

Ich hoffe, das macht die Rituximab-Auswirkungen etwas besser verständlich.?

Herzliche Grüße

Martin Aringer


Verfasst am: 06.03.2022, 21:49
Dabei seit: 16.11.2021
Beiträge: 9

Guten Abend Herr Aringer,

ich danke Ihnen für die ausführlichen Erläuterungen. Eine Rückfrage noch dazu: Ist das Immunsystem während der Rituximab Behandlung überhaupt in der Lage sich gegen Viren und anderes zu wehren? Um wieviel wird das Immunsystem gedrückt? Oder ist es nahezu handlungsunfähig durch die Entfernung der B-Zellen? Bleibt der Patient nach der Beendigung der Rituximab-Therapie ohne B-Zellen? Oder reguliert sich das Ganze später wieder?


Verfasst am: 06.03.2022, 21:48
Dabei seit: 16.11.2021
Beiträge: 9

Guten Abend Herr Aringer,

ich danke Ihnen für die ausführlichen Erläuterungen. Eine Rückfrage noch dazu: Ist das Immunsystem während der Rituximab Behandlung überhaupt in der Lage sich gegen Viren und anderes zu wehren? Um wieviel wird das Immunsystem gedrückt? Oder ist es nahezu handlungsunfähig durch die Entfernung der B-Zellen? Bleibt der Patient nach der Beendigung der Rituximab-Therapie ohne B-Zellen? Oder reguliert sich das Ganze später wieder?


Verfasst am: 05.03.2022, 18:07
Dabei seit: 10.02.2016
Beiträge: 344

Nein, im Gegensatz zu Cyclophosphamid sind Biologika wie Rituximab keine Chemotherapie.

Antikörper sind Ypsilon-förmige Eiweißmoleküle, die mit den beiden Armen jeweils gezielt bestimmte Strukturen (dann Antigen genannt) erkennen. Sie entstehen nach jeder Impfung und Infektion und richten sich dann gegen den Krankheitserreger.

Antikörper kann man aber auch gentechnologisch als Medikament herstellen, wobei man dann nur einen ganz bestimmten (monoklonalen) Antikörper in relativ großer Menge verabreicht. Schluckte man sie, würden sie als Eiweiß einfach verdaut, daher werden sie infundiert oder unter die Haut gespritzt.

Der monoklonale Antikörper Rituximab richtet sich gegen CD20, das nur auf der Oberfläche von B-Lymphozyten vorkommt. Er bindet daher die B-Lymphozyten (= B-Zellen). Daher entfernt das Immunsystem dann die B-Zellen. Rituximab wurde zuerst ergänzend zur Chemotherapie bei Lymphknotenkrebs verwendet, hat sich seitdem aber bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen bewährt.

Erstaunlicherweise kann man als Erwachsener viele Jahre ohne B-Zellen leben, ohne dass das große Probleme macht. Noch nicht kennengelernte Infektionen können aber ein Thema darstellen, deshalb auch das COVID-19-Problem.

Neben den Routineuntersuchungen wird unter Rituximab eigentlich nur der Gesamtspiegel der im Blut vorhandenen (vom Körper selbst produzierten) Antikörper (IgG) kontrolliert. Selten kommt es dort zu einem Abfall. Spezielle andere Laboruntersuchungen sind nur bei Problemen erforderlich.

Alles Gute und herzliche Grüße

Martin Aringer


Verfasst am: 05.03.2022, 14:48
Dabei seit: 16.11.2021
Beiträge: 9

Sehr geehrter Prof. Dr. Aringer,

vielen Dank für Ihre Nachricht.Dadurch, dass nun ein neuer Behandlungsansatz gewählt wird, hat man als Patient und Angehöriger viele Fragen. Und hinzu kommt, dass mein Papa erst im Sommer letzten Jahres die Diagnose erhalten hat. Man macht sich Sorgen.Ich habe abschließend noch diese Fragen zur Rituximab-Behandlung: Muss man wie im Falle von Cyclophosphamid, auch bei Rituximab von einer leichten Chemo (-Therapie) sprechen? Und was heißt es eigentlich eine Antikörper-Behandlung zu kommen? Ist die Behandlung gezielter oder was sind die Unterschiede? Muss man im Alltag im Zusammenhang mit der Antikörper-Behandlung was beachten? Gibt es bei der Ernährung was zu bedenken (Muss man auf bestimmte Nahrungsmittel oder Getränke (z.B. Kaffee, Cola, Tee) verzichten bzw. nur in Maßen zu sich nehmen? Welche halbjährlichen oder jährlichen Vorsorgeuntersuchungen sind im Zusammenhang mit der Rituximab-Behandlung empfehlenswert? Wie sieht es mit dem Neurologen aus?


Verfasst am: 03.03.2022, 22:04
Dabei seit: 10.02.2016
Beiträge: 344

Grundsätzlich ist Rituximab bei der GPA (Wegener) eine sehr gute Erhaltungstherapie, die erstaunlich sicher ist. Was tatsächlich unter Rituximab nicht gut funktioniert, sind erstmalige Impfungen gegen Infektionen, mit denen man noch nie Kontakt hatte. Das wurde jetzt in der SARS-CoV2-Pandemie zum Problem. Die wichtigsten Impfungen sind aber offenbar bereits durchgeführt.

PML-Fälle unter Rituximab sind glücklicherweise sehr selten. Sie hängen vor allem von der Grunderkrankung ab - ob wirklich das Medikament schuld ist, wie das zum Beispiel bei Natalizumab leider eindeutig der Fall ist, ließ sich für Rituximab bisher nie komplett schlüssig beweisen.

Daher kann ich die Empfehlung der Ärzte Ihres Vaters sehr gut nachvollziehen. Wir kämen bei wahrscheinlicher neuer GPA-Aktivität mit hoher Sicherheit zum gleichen Schluss.

Alles Gute und herzliche Grüße

Martin Aringer


Verfasst am: 28.02.2022, 16:57
Dabei seit: 16.11.2021
Beiträge: 9

Liebes Expertenteam,
mein Papa (64 Jahre) hat letztes Jahr im Sommer die Diagnose erhalten, dass er Morbus Wegener hat. Die betroffenen Bereiche: Ohren, Nasennebenhöhlen, Bronchen und Lunge. Er hat 6 Gaben Cyclophosphamid bekommen. Am Anfang (bei Einlieferung ins Krankenhaus letztes Jahr) lag der ANCA-Wert bei 500. Nach der 6.Gabe lag der Wert bei 108. Die Blutwerte, die durch die Krankheit ebenfalls ins Wanken geraten sind, sind besser geworden und haben sich stabilisiert. Im Januar 22 wurde dann Blut abgenommen, um zu schauen, wie aktiv die Krankheit noch ist. Die übrigen Blutwerte sind stabil geblieben, nur der ANCA ist wieder auf 200 gestiegen. Man hat daraufhin eine CT-Aufnahme von der Lunge gemacht. Eigentlich sollten die Aufnahmen erst später gemacht werden. Die Lunge war am stärksten betroffen. Mein Papa hatte 31 Lungenrundherde. Die CT-Aufnahme hat gezeigt, dass die Rundherde zurückgegangen sind. Es sind nur noch vier vorhanden. Auch die Raumforderungen sind weg. Da das Cyclophosphamid scheinbar aber nicht zu 100 Prozent seine Wirkung entfaltet hat (Anstieg ANCA-Wert), soll nun auf Rituximab umgestellt werden. Dazu haben wir fragen: Wie sicher und verträglich ist Rituximab in der Praxis (bei GPA-Patienten)? Welche Impfungen sind vor Behandlungsbeginn notwendig? Mein Papa hat die Grippeschutzimpfung, die Pneumokokken-Impfung (aber ich glaube nur eine 1. Impfung), Polio und Diphtherie-Tetanus-Impfung. Er ist auch geboostert. Wie sieht es mit Meningokokken und Pertussis aus? Die beiden fehlen. Kann er sich die beiden Impfungen auch zu einem späteren Zeitpunkt geben lassen? Es sind erst mal zwei Infusionen im Abstand von zwei Wochen geplant und eine im halben Jahr. Und noch eine letzte Frage zu den Nebenwirkungen, genauer gesagt zur PML. Wie hoch ist das Risiko einzuschätzen? Über wie viele Fälle weiß man bei GPA-Patienten? Und gibt es eine Möglichkeit das Risiko einzudämmen? Ich habe von einem Antikörper-Test gelesen? Wie sicher und aussagekräftig ist dieser Test? Und ist es ratsam unter einer Rituximab-Behandlung regelmäßig (vielleicht halbjährlich oder jährlich) einen Neurologen aufzusuchen für eine MRT-Aufnahme? Vielen Dank im Voraus!




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